Kaum zieht ein Welpe ein, beginnt für viele Menschen eine aufregende Zeit. Und oft kommt schon nach wenigen Tagen die erste Herausforderung: Der Welpe nimmt alles in den Fang. Blätter, Taschentücher, Stöckchen, Steine oder den Lieblingsschuh – nichts scheint vor ihm sicher zu sein.
Viele Hundehalter reagieren in solchen Situationen reflexartig: Sie laufen hinter dem Welpen her, versuchen ihm den Gegenstand abzunehmen oder greifen direkt ins Maul. Doch genau das kann langfristig dazu führen, dass das Problem größer statt kleiner wird.
Warum nimmt mein Welpe alles ins Maul?
Welpen befinden sich – ähnlich wie menschliche Babys – in einer oralen Phase. Sie erkunden ihre Umwelt mit dem Maul, testen verschiedene Materialien und sammeln Erfahrungen darüber, was essbar, interessant oder ungefährlich ist.
Das Aufnehmen von Gegenständen gehört außerdem zum Funktionskreis Nahrungserwerb und ist für Hunde ein völlig normales und biologisch sinnvolles Verhalten. Besonders Hunde aus dem Tierschutz oder Hunde, die Erfahrungen mit Ressourcenknappheit gemacht haben, zeigen oft ein ausgeprägtes Interesse an allem, was potenziell wertvoll sein könnte.
Die gute Nachricht: Bei vielen Welpen nimmt dieses Verhalten mit zunehmendem Alter von selbst ab.

Warum du deinem Welpen Dinge nicht wegnehmen solltest
Wenn dein Welpe etwas Interessantes gefunden hat und du versuchst, es ihm aus dem Fang zu ziehen, entsteht aus Hundesicht häufig ein Konflikt um eine Ressource.
Für den Hund kann sich das anfühlen wie ein Spiel oder sogar wie ein Wettkampf. Er lernt dabei nicht, Dinge freiwillig abzugeben, sondern vielmehr:
„Mein Mensch möchte das auch haben. Dann muss es besonders wertvoll sein.“
Je mehr Aufmerksamkeit, Aufregung und Hektik um einen Gegenstand entstehen, desto interessanter kann er für den Hund werden.
Im schlimmsten Fall lernt der Welpe:
- Dinge schnell herunterzuschlucken
- Mit seiner Beute wegzulaufen
- Gegenstände zu bewachen
- Sich nicht mehr anfassen zu lassen, wenn er etwas gefunden hat
Natürlich gibt es Notfälle, in denen du deinem Hund etwas aus dem Maul nehmen musst. Das sollte jedoch die Ausnahme bleiben und nicht zur alltäglichen Strategie werden.

Welpe frisst alles unterwegs – was hilft?
Gerade draußen lohnt es sich, vorausschauend unterwegs zu sein.
Liegt auf dem Spazierweg ein Taschentuch, eine Essensverpackung oder etwas anderes Interessantes, kannst du meist davon ausgehen, dass dein Welpe es bemerken wird.
Anstatt abzuwarten und anschließend einzugreifen, ist es sinnvoller:
- rechtzeitig einen Bogen um den Gegenstand zu machen,
- den Welpen umzulenken,
- oder ihn frühzeitig für die Orientierung an dir zu belohnen.
Je häufiger dein Welpe Erfolgserlebnisse beim Aufnehmen von Dingen hat, desto häufiger wird er dieses Verhalten zeigen.

Freiwilliges Ausspucken statt Kampf um Ressourcen
Statt dem Hund etwas wegzunehmen, möchten wir ihm beibringen:
„Es lohnt sich, Dinge freiwillig abzugeben.“
Dabei geht es nicht um Gehorsam durch Druck, sondern um Kooperation und Vertrauen.
Der Welpe soll lernen:
„Wenn ich etwas abgebe, verliere ich nichts – im Gegenteil, es lohnt sich für mich.“
So trainierst du das Signal „Aus“ oder „Gib’s ab“
Schritt 1: Ausspucken belohnen
Nutze zunächst Situationen im Spiel.
Biete deinem Welpen interessante, aber ungefährliche Gegenstände an. Während er damit beschäftigt ist, beobachtest du ihn.
Sobald er den Fang öffnet oder den Gegenstand freiwillig fallen lässt:
- lobe ihn freundlich,
- und belohne ihn mit einem besonders guten Leckerchen.
Viele Welpen beginnen schon nach kurzer Zeit, Gegenstände aufzunehmen, dich anzuschauen und sie wieder auszuspucken.
Genau dieses Verhalten möchten wir fördern.
Schritt 2: Das Signal aufbauen
Wenn dein Welpe zuverlässig ausspuckt, kannst du ein Wortsignal hinzufügen, beispielsweise:
- „Aus“
- „Gib’s ab“
- „Danke“
Wichtig ist, dass das Signal immer unmittelbar vor dem bereits bekannten Verhalten gesagt wird.
Der Welpe lernt dadurch, das Wort mit dem Ausspucken zu verknüpfen.
Schritt 3: Die Leckerchenstraße
Eine sehr hilfreiche Übung ist die sogenannte Leckerchenstraße.
Du stellst dich in einer ruhigen Umgebung neben deinen Hund und gibst dein Signal, beispielsweise „Gib’s ab“.
Direkt danach streust du mehrere hochwertige Leckerchen auf den Boden und hilfst deinem Hund beim Finden.
So entsteht eine positive Verknüpfung:
Signal hören = tolle Belohnung erhalten.
Schritt 4: Mit Gegenständen üben
Lege nun einen Gegenstand auf den Boden, den dein Hund interessant findet, aber nicht unbedingt besitzen möchte.
Sobald er sich dem Gegenstand nähert:
- gib dein Signal,
- belohne die Orientierung zu dir,
- und streue wieder die Leckerchen.
Funktioniert das zuverlässig, kannst du die Schwierigkeit langsam steigern.
Schritt 5: Das eigentliche „Gib’s ab“
Jetzt kommen Gegenstände ins Spiel, die dein Hund gerne ins Maul nimmt.
Das kann sein:
- ein Spielzeug,
- ein Kauartikel,
- oder ein anderer interessanter Gegenstand.
Lass deinen Hund den Gegenstand kurz halten und gib anschließend dein Signal.
Sobald er loslässt:
- belohne ihn großzügig,
- hebe den Gegenstand auf,
- und gib ihn ihm häufig direkt wieder zurück.
Dieser letzte Punkt ist besonders wichtig.
Dein Welpe soll lernen:
„Ich kann Dinge problemlos abgeben, weil sie mir nicht einfach weggenommen werden.“
Wiederholen, variieren und fair bleiben
Wie bei allen Lernprozessen braucht auch das Abgeben viele Wiederholungen.
Trainiere:
- mit unterschiedlichen Gegenständen,
- an verschiedenen Orten,
- und in langsam steigenden Schwierigkeitsstufen.
Ein Verhalten, das im Wohnzimmer funktioniert, ist noch lange nicht sicher auf dem Spaziergang abrufbar.
Deshalb gilt:
Erst im Haus, dann im Garten, anschließend an ruhigen Orten und später unter zunehmender Ablenkung.
Fazit: Wenn dein Welpe alles aufnimmt
Wenn dein Welpe Dinge aufnimmt, zeigt er zunächst vollkommen normales Hundeverhalten. Das Ziel sollte nicht sein, mit ihm um Ressourcen zu kämpfen, sondern ihm zu vermitteln, dass Kooperation mit dem Menschen immer die beste Strategie ist.
Je häufiger dein Welpe erlebt, dass sich freiwilliges Ausspucken lohnt, desto eher wird er später auch wirklich wichtige Funde zuverlässig freigeben.

Vertrauen, Management und ein gut aufgebautes Abgabesignal sind dabei deutlich nachhaltiger als Hektik, Druck oder das Greifen ins Maul.
Quellen und fachliche Orientierung
- Scheuer-Dinger, Ines: Wilde Welpen
- Meiburg, Sonja: Welpenschule – So gelingt dein Einstieg
- Schäfer, Brigitte: Hundetraining
- Liebert, Nadine: Welpekompass
- Fachliche Grundlagen der modernen, belohnungsbasierten Hundeerziehung und Verhaltensbiologie des Hundes
- Welpe nimmt alles ins Maul? So lernt dein Hund Gegenstände freiwillig abzugeben
- Der Welpe zieht ein – Sicherer Start ins neue Leben
- Darmgesundheit beim Hund – warum die Darmflora für Gesundheit, Verdauung und Wohlbefinden so wichtig ist
- Schmerzen beim Hund erkennen – warum viele Warnsignale übersehen werden
- Mein Welpe springt hoch und zwickt in Arme und Beine – was tun?
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