Was du über die ersten Tage, die Eingewöhnung und mögliche Gefahren wissen solltest
Ein Welpe zieht ein. Die Vorfreude ist riesig, die Wunschliste lang und die Pläne für das gemeinsame Leben beginnen oft schon Monate vor dem Einzug. Gleichzeitig ist diese Zeit für das Hundekind mit enormen Veränderungen verbunden. Es verlässt seine Mutter, Geschwister und die vertraute Umgebung und muss sich in einer völlig neuen Welt zurechtfinden.
Genau deshalb entscheidet nicht das perfekte Spielzeug oder die schönste Ausstattung über einen gelungenen Start, sondern Ruhe, Sicherheit, Orientierung und ein gutes Management.
In meiner Arbeit als Hundetrainerin erlebe ich immer wieder, dass viele Herausforderungen der ersten Wochen vermeidbar wären, wenn Welpenhalter von Anfang an die Bedürfnisse ihres Hundes verstehen würden. Dieser Artikel soll dir dabei helfen, die ersten Tage entspannt zu gestalten und typische Fehler zu vermeiden.
Die Abholung – der erste große Schritt
Bereits die Abholung ist für einen Welpen ein einschneidendes Erlebnis.
Damit der Übergang möglichst stressarm gelingt, solltest du vorab einige wichtige Informationen einholen:
Welches Futter erhält der Welpe aktuell?
Wann sind die üblichen Fütterungszeiten?
Wie sieht sein Tagesablauf aus?
Welche Erfahrungen gibt es bereits zur Stubenreinheit?
Wann wurde zuletzt entwurmt?
Wann steht die nächste Impfung an?
Gibt es gesundheitliche Besonderheiten?
Besonders hilfreich ist außerdem eine Decke oder ein Tuch mit dem Geruch der Mutter und der Geschwister. Vertraute Gerüche können in den ersten Tagen Sicherheit vermitteln und den Kulturschock etwas abmildern.
Die erste Autofahrt
Die Heimfahrt ist häufig die erste längere Autofahrt im Leben eines Welpen.
Idealerweise erfolgt die Abholung am Vormittag. So bleibt genügend Zeit, um den Welpen in Ruhe ankommen zu lassen.
Bewährt haben sich:
eine sichere Transportbox
eine vertraute Decke
Wasser für unterwegs
Handtuch und Küchenrolle für kleine Missgeschicke
Manche Welpen schlafen die gesamte Fahrt, andere reagieren mit Unruhe oder Übelkeit. Beides ist völlig normal.
Endlich Zuhause – die erste Stunde zählt
Nach der Heimfahrt bringst du deinen Welpen zunächst an einen ruhigen Ort, an dem er sich lösen kann.
Gib ihm Zeit.
Erst danach geht es ins Haus oder in die Wohnung.
Mache es deinem Welpen möglichst einfach. Gibt es Treppen, solltest du nicht darauf warten, ob er diese selbst überwindet. Trage ihn zunächst an den Ort, an dem er sicher ankommen kann.
Setze dich zu ihm auf den Boden und lass ihn in seinem Tempo die neue Umgebung erkunden. Ein geeigneter Kauartikel kann helfen, Stress abzubauen und zur Ruhe zu kommen.
Passiert ein kleines Malheur, wird es kommentarlos beseitigt.
Die erste Stunde dient nicht der Erziehung.
Sie dient dem Ankommen.
Vielleicht erschrickt dein Welpe vor einem Gegenstand, einem Geräusch oder einer Person. Dann braucht er keine Konfrontation, sondern Sicherheit.
Dein Welpe darf sich bei dir verstecken, Nähe suchen und Situationen zunächst aus sicherer Entfernung beobachten.
Das wichtigste Ziel der ersten Stunde lautet:
Ankommen. Runterfahren. Sicherheit finden.
Die ersten 48 Stunden mit dem Welpen
Die ersten beiden Tage nach dem Einzug sind für deinen Welpen eine echte Herausforderung.
Seine bisherige Welt existiert plötzlich nicht mehr. Neue Menschen, neue Gerüche, neue Geräusche und neue Regeln müssen verarbeitet werden.
Deshalb gilt:
In den ersten 48 Stunden steht nicht das Training im Vordergrund, sondern das Ankommen.
Konzentriere dich auf:
Sicherheit und Geborgenheit
ausreichend Schlaf
regelmäßige Lösemöglichkeiten
kleine Futterportionen
Ruhe und Entspannung
den Aufbau von Vertrauen
Besuch, Ausflüge oder große Abenteuer dürfen ruhig noch etwas warten.
Pipi machen – lieber einmal zu oft als einmal zu wenig
Solange dein Welpe wach ist, solltest du ihm etwa alle 30 Minuten die Möglichkeit geben, sich draußen zu lösen.
Zusätzlich immer:
nach dem Schlafen
nach dem Fressen
nach dem Spielen
nach aufregenden Situationen
Aufgeregte Welpen müssen oft deutlich häufiger urinieren als entspannte Hunde.
Nutze diese Momente bereits als ersten Einstieg ins Stubenreinheitstraining. Erledigt dein Welpe sein Geschäft draußen, kannst du ihn freundlich loben und anschließend ein kleines Leckerchen geben.
So lernt er ganz nebenbei, dass sich das Lösen im Freien lohnt.
Willkommen Zuhause – weniger ist mehr
Viele Welpenhalter möchten ihrem neuen Familienmitglied sofort das gesamte Haus, den Garten und die Nachbarschaft zeigen.
Aus Sicht des Welpen ist das jedoch oft viel zu viel.
Je mehr Eindrücke gleichzeitig auf ihn einprasseln, desto schwieriger wird die Verarbeitung.
Ja, Sozialisation ist wichtig. Aber nicht unmittelbar nach dem Einzug.
Ein Welpe, der gerade seine gesamte bisherige Welt verloren hat, braucht zunächst Stabilität.
Deshalb empfehle ich:
die ersten Tage bewusst ruhig zu gestalten
Besuche zu verschieben
keine Ausflüge zu planen
keine Hundewiesen zu besuchen
keine Einkaufszentren oder Innenstädte zu erkunden
Viele Probleme entstehen nicht durch zu wenig Erlebnisse, sondern durch zu viele.
Fütterung – Vertrauen beginnt am Futternapf
Viele Welpen mussten bisher gemeinsam mit ihren Geschwistern fressen. Manche haben gelernt, ihr Futter möglichst schnell aufzunehmen oder gegenüber anderen Hunden zu verteidigen.
Deshalb lohnt es sich, von Anfang an positive Erfahrungen rund um den Futternapf zu schaffen.
Gib deinem Welpen sein Futter und lasse ihn zunächst ungestört fressen.
Anschließend kannst du dich kurz nähern und etwas besonders Leckeres – beispielsweise ein kleines Stück Käse oder Wurst – zusätzlich in den Napf legen.
Danach gehst du wieder weg.
Dein Welpe lernt so:
Wenn mein Mensch zum Napf kommt, wird mein Futter sogar noch besser.
Auf diese Weise kann Ressourcenverteidigung häufig bereits vorbeugend verhindert werden.
Schlaf ist keine Pause – Schlaf ist Entwicklung
Welpen benötigen je nach Alter etwa 18 bis 20 Stunden Ruhe und Schlaf pro Tag.
Während dieser Ruhephasen verarbeitet das Gehirn die Erlebnisse des Tages.
Übermüdete Welpen wirken häufig:
hektisch
überdreht
beißfreudig
unkonzentriert
schwer ansprechbar
Oft wird dann versucht, den Welpen noch mehr zu beschäftigen – dabei bräuchte er eigentlich Ruhe.
Das Zuhause welpensicher machen
Für einen Welpen gleicht die neue Umgebung einem riesigen Abenteuerspielplatz.
Kabel, Steckdosen, Treppen, Medikamente, Lebensmittel und herumliegende Gegenstände stellen häufig unterschätzte Gefahren dar.
Viele Welpenhalter nutzen in den ersten Wochen:
Kindergitter
Laufställe
Absperrungen
rutschfeste Teppiche
Das ist kein Zeichen von Übervorsicht, sondern gutes Management.
Glatte Böden – eine häufig unterschätzte Gefahr
Fliesen, Laminat oder Parkett können für Welpen problematisch sein.
Rutschen Hunde regelmäßig weg, steigt das Risiko für Verletzungen und Fehlbelastungen.
Lege auf häufig genutzten Laufwegen rutschfeste Teppiche oder Teppichfliesen aus. So kann sich dein Welpe sicher bewegen und gewinnt Vertrauen in seinen Körper.
Ab wann darf mein Welpe Treppen laufen?
Diese Frage gehört zu den häufigsten Fragen im Welpentraining.
Grundsätzlich dürfen und sollen Welpen lernen, Treppen zu steigen.
Treppenlaufen gehört zum normalen Bewegungsrepertoire eines Hundes und sollte deshalb kontrolliert geübt werden.
Belastend wird es vor allem dann, wenn ein junger Hund mehrmals täglich viele Stockwerke laufen muss.
Allerdings spricht nichts dagegen, einen Welpen gelegentlich einige Stufen langsam und kontrolliert gehen zu lassen.
Wichtig ist:
keine Hektik
ausreichend Trittsicherheit
kein unbeaufsichtigtes Treppenlaufen
kein Herunterhechten der Treppe
Vor allem das schnelle Hinunterrennen stellt ein Verletzungsrisiko dar.
Sichere Treppen deshalb mit Kindergittern, damit dein Welpe sie nicht unbeaufsichtigt erkundet.
Gerade kleine Hunderassen können sich bei einem Treppensturz schwer verletzen.
Die erste Nacht
Für viele Familien ist die erste Nacht die größte Herausforderung.
Während du dich vielleicht auf dein neues Familienmitglied freust, erlebt dein Welpe zum ersten Mal eine Nacht ohne Mutter und Geschwister.
Nähe und Sicherheit sind deshalb kein Verwöhnen, sondern ein Grundbedürfnis.
Der richtige Schlafplatz
Wo dein Welpe schlafen soll, entscheidest letztlich du.
Wichtig ist jedoch, dass du bemerkst, wenn dein Hund Hilfe braucht, sich unwohl fühlt oder nachts noch einmal nach draußen muss.
Befindet sich sein Schlafplatz nicht in unmittelbarer Nähe, empfehle ich, die ersten Nächte bei deinem Welpen zu verbringen oder ihn zunächst im Schlafzimmer schlafen zu lassen.
Begrenzt und kuschelig
Viele Welpen schlafen entspannter, wenn ihr Schlafplatz etwas eingegrenzt ist.
Eine weiche Unterlage, vertraute Gerüche und eine kuschelige Umgebung vermitteln Geborgenheit.
Ist es kühl, kann eine mit körperwarmem Wasser gefüllte Wärmflasche zusätzliche Sicherheit geben. Achte darauf, dass dein Welpe selbst entscheiden kann, ob er die Wärme nutzen möchte oder nicht.
Vor dem Schlafengehen solltest du ihn noch einmal nach draußen bringen, damit er sich lösen kann.
Unruhige Nächte sind normal
Manche Welpen schlafen sofort durch. Viele andere benötigen einige Tage oder Wochen, um sich an die neue Situation zu gewöhnen.
Wenn dein Welpe Nähe sucht, darfst du ihm diese geben.
Körperkontakt, ruhiges Streicheln, deine Anwesenheit, leise Entspannungsmusik oder ein Adaptil-Stecker können helfen, besser zur Ruhe zu kommen.
Hab keine Sorge, deinen Welpen dadurch zu verwöhnen.
Ein Welpe, der gerade seine vertraute Welt verloren hat, braucht zunächst Sicherheit und Geborgenheit.
Dein Welpe darf in den ersten Nächten lernen:
„Ich bin nicht allein. Mein Mensch ist für mich da.“
Spaziergänge? Noch gar nicht nötig.
Ein acht oder neun Wochen alter Welpe benötigt keine klassischen Spaziergänge.
Viel wichtiger sind:
Schnüffeln
Beobachten
Erkunden
Sicherheit gewinnen
Kurze Wege zum Lösen reichen völlig aus.
Die Welt steckt voller Gefahren
Während wir Menschen viele Dinge als selbstverständlich betrachten, sieht ein Welpe darin oft spannendes Entdeckungsmaterial.
Besondere Vorsicht gilt bei:
Schokolade
Xylit (Xylitol)
Alkohol
Trauben und Rosinen
Kaffee und koffeinhaltigen Getränken
Macadamianüssen
Avocado
rohen Bohnen
gekochten Hühnerknochen
Ebenso gefährlich können Medikamente, Zigaretten, Nikotinprodukte sowie verschiedene Zimmer- und Gartenpflanzen sein.
Warum professionelle Begleitung sinnvoll ist
Die ersten Wochen mit einem Welpen sind wunderschön, aber oft auch herausfordernd.
Viele Fragen tauchen genau dann auf, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann.
Im Beratungsgespräch vor dem Einzug, im Einzeltraining oder im Welpenkurs erhältst du nicht nur Antworten auf diese Fragen, sondern lernst auch, das Verhalten deines Hundes besser zu verstehen.
Gemeinsam schaffen wir die Grundlage für:
Vertrauen
Orientierung
Selbstregulation
Alltagstauglichkeit
eine sichere Mensch-Hund-Beziehung
Denn aus einem Welpen wird nicht durch Zufall ein entspannter Familienhund.
Er entwickelt sich durch passende Erfahrungen, Verständnis und eine kompetente Begleitung.
Fazit
Der Einzug eines Welpen ist weit mehr als die Anschaffung eines Haustieres. Für den kleinen Hund beginnt ein völlig neuer Lebensabschnitt.
Wer die ersten Tage ruhig gestaltet, auf ausreichend Schlaf achtet, das Zuhause welpensicher macht, Treppen sinnvoll managt, Stubenreinheit kleinschrittig aufbaut und mögliche Gefahren kennt, schafft die besten Voraussetzungen für eine gelungene Eingewöhnung.
Und genau dabei musst du nicht alles allein herausfinden.
Ich begleite dich und deinen Welpen gerne – vom Beratungstermin vor dem Einzug über den Welpenkurs bis zu den ersten gemeinsamen Schritten in einen entspannten Alltag. 🐾
Als Hundetrainerin begleite ich Welpen und ihre Menschen vom ersten Tag an. Mein Ziel ist es, Haltern verständliches Wissen an die Hand zu geben, damit aus dem kleinen Welpen ein entspannter Familienhund werden kann. In meinen Beratungsgesprächen vor dem Einzug, im Einzeltraining und im Welpenkurs stehen die Bedürfnisse des Hundes, modernes Training und ein harmonisches Zusammenleben im Mittelpunkt.
Quellen und Literaturempfehlungen Für die Erstellung dieses Artikels wurden unter anderem folgende Fachbücher herangezogen: Welpenkompass – Nadine Liebert Welpenschule – Sonja Maiburg Diese Bücher gehören aus meiner Sicht zu den empfehlenswerten Grundlagenwerken für angehende Welpenhalter, da sie die Bedürfnisse von Welpen wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich erklären.